Hamburg als Sprungbrett für Food- und FoodTech-Unternehmen
Interview mit Christin Siegemund
Das foodlab Hamburg unterstützt Unternehmen aus der Food- und FoodTech-Branche bei ihrer Gründung, Weiterentwicklung und Internationalisierung. Im Interview geht es um die Hamburger Food-Szene, den Schritt in internationale Märkte und die Zusammenarbeit mit dem Enterprise Europe Network.
Können Sie das foodlab Hamburg kurz vorstellen? Welche Mission verfolgen Sie und welche Unternehmen unterstützen Sie?
Das foodlab ist für mich ein riesiger Spielplatz für Unternehmen aus der Foodbranche. Wir begleiten Gründerinnen und Gründer, die hier ihr Unternehmen aufbauen und skalieren möchten. Gleichzeitig bieten wir größeren Unternehmen und Konzernen einen Ort, an dem sie Inspiration finden und sich mit Akteurinnen und Akteuren aus der gesamten Branche austauschen können.
Die Bandbreite ist groß: Zu uns kommen Unternehmen, die ein Produkt in den Supermarkt bringen wollen, Dienstleistungen anbieten oder Software und andere Lösungen für die Gastronomie entwickeln. Auch Gastronominnen und Gastronomen selbst gehören zu unserer Community.
Dabei unterstützen wir nicht nur Unternehmen aus Hamburg, sondern auch nationale und internationale Akteure. Sie alle interessieren sich für den Hamburger Foodmarkt – internationale Unternehmen darüber hinaus häufig für den Einstieg in den deutschen Markt.
Was zeichnet die Hamburger Food- und FoodTech-Szene aus? Welche Entwicklungen beobachten Sie derzeit?
Hamburg wird als Standort immer spannender. Die Stadt ist einerseits überschaubar genug, um nach der Gründung erste Schritte zu gehen und ein Geschäftsmodell zu erproben. Andererseits ist sie groß genug, um anschließend zu skalieren.
Hamburg verfügt bislang vielleicht noch nicht über eine so ausgeprägte FoodTech-Start-up-Landschaft wie andere Standorte, doch die Szene wächst kontinuierlich. Gleichzeitig kommen immer mehr spannende Gastronomiekonzepte nach Hamburg, beispielsweise aus Skandinavien oder Großbritannien.
Viele Start-ups konzentrieren sich zunächst auf den deutschen Markt. Wann wird die Internationalisierung für die Unternehmen in Ihrer Community relevant?
Aus meiner Sicht wird das Thema für viele Start-ups etwa fünf Jahre nach der Gründung oder auch später relevant. Der Zeitpunkt hängt stark davon ab, wie intensiv an der Entwicklung des Unternehmens gearbeitet wird. Schließlich wird nicht jedes Start-up von Beginn an in Vollzeit aufgebaut.
Zudem stellt sich die Frage, was genau unter Internationalisierung verstanden wird. Schon eine Expansion innerhalb des DACH-Raums kann aufgrund unterschiedlicher rechtlicher und administrativer Anforderungen – insbesondere mit Blick auf die Schweiz – herausfordernd sein.
Letztlich kommt es immer auf das jeweilige Geschäftsmodell und den Kontext der Gründung an. Das Hamburger Unternehmen GoodBytz ist beispielsweise bereits international tätig. Für einen Hersteller von Küchenrobotern ist dieser Schritt besonders naheliegend. Andere Unternehmen bringen ihre Geschäftsideen aus dem Ausland mit und starten von hier aus auf dem deutschen Markt.
Mit welchen Herausforderungen sind Food-Start-ups und junge Unternehmen konfrontiert, wenn sie internationale Märkte erschließen möchten?
Diese Herausforderungen erleben wir regelmäßig, wenn ausländische Unternehmen in den deutschen Markt eintreten wollen. Wir empfehlen ihnen, eine Person vor Ort einzusetzen, die den Markteintritt gezielt vorantreibt, die lokalen Gegebenheiten kennt und ein entsprechendes Netzwerk aufbaut.
Welche weiteren Hürden auftreten, hängt stark vom jeweiligen Produkt und Geschäftsmodell ab. Zu den zentralen Themen gehören jedoch häufig die Zusammenstellung des richtigen Teams, die Finanzierung, der Aufbau der Produktion und die Organisation der Lieferkette.
Wie ist die Zusammenarbeit zwischen dem foodlab und dem Enterprise Europe Network entstanden? In welchen Bereichen ergänzt das EEN Ihr Angebot besonders gut?
Wir freuen uns immer über fundierte Informationen zu Fördermöglichkeiten – sowohl auf europäischer Ebene als auch in Hamburg. Die Förderlandschaft ist komplex und für Außenstehende häufig nur schwer zu überblicken. Neben der Frage, welche Programme überhaupt infrage kommen, geht es beispielsweise auch darum, welche Voraussetzungen erfüllt und welche Berichte eingereicht werden müssen.
Wir bieten selbst Onlineveranstaltungen an, und das Enterprise Europe Network ergänzt unser Angebot mit seiner Expertise und seinen Kontakten sehr gut. Da es in Hamburg nur eine begrenzte Zahl spezifischer Fördermöglichkeiten für den Foodbereich gibt, lohnt sich der Blick über die Stadtgrenzen hinaus besonders.
Wie profitieren die Unternehmen in Ihrer Community konkret von der Zusammenarbeit mit dem Enterprise Europe Network?
Die Unternehmen erhalten vor allem wertvolles Wissen, das ihnen sonst häufig nicht ohne Weiteres zugänglich wäre. Es ist ein großer Vorteil, erfahrene Expertinnen und Experten an der Seite zu haben, die Orientierung bieten, relevante Möglichkeiten aufzeigen und bei konkreten Fragen weiterhelfen können.
Welche Bedeutung haben europäische Förderprogramme für innovative Unternehmen aus der Foodbranche?
Europäische Förderprogramme eröffnen Unternehmen neue Möglichkeiten und erweitern den Blick über Hamburg und Deutschland hinaus. Gerade in der heutigen Zeit ist es wichtig, Europa zu stärken und den europäischen Markt als gemeinsamen Wirtschafts- und Innovationsraum zu verstehen.
Für Unternehmen aus der Foodbranche ist Europa auch deshalb interessant, weil Lieferketten innerhalb des europäischen Marktes bereits vergleichsweise gut etabliert sind. Das schafft gute Voraussetzungen für Kooperationen, Wachstum und den Eintritt in weitere Märkte.
Welche Botschaft möchten Sie Food-Start-ups mitgeben, die den Schritt auf internationale Märkte planen?
Traut euch, informiert euch und tauscht euch mit anderen aus – und kommt gern ins foodlab. Manchmal stellt sich heraus, dass Deutschland für eine Geschäftsidee gar nicht der am besten geeignete Markt ist. Deshalb sollte man offen bleiben, verschiedene Optionen prüfen und aufmerksam beobachten, welche Möglichkeiten sich ergeben.
Vielen Dank für das Gespräch!
Bild: Brita Plath Photography